Die Entwicklung von Ideen für neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse umfasst mehrere Phasen. Die Ideenmanagement-Forschung unterscheidet zwischen Generierung, Entwicklung, Championing und der Implementierung von Ideen. Je nach Phase benötigen die Ideengeber, also die kreativen Mitarbeiter des Unternehmens, unterschiedliche Ressourcen. Zum einen werden hierunter finanzielle Ressourcen und Infrastruktur verstanden, zum anderen soziale Ressourcen. Die Mitarbeiter agieren nicht isoliert wie auf einer Insel, sondern sind sowohl auf der Arbeit als auch zu Hause von anderen Menschen umgeben, mit denen Sie sich austauschen.

Beziehungen zu Kollegen beeinflussen die Kreativität des Ideengebers

Das soziale Umfeld des Ideengebers liefert ihm immer wieder Impulse: Durch Gespräche, Feedback, Kommentare, Meinungen und Fakten von Kollegen und Vorgesetzten. Insofern ist das Ideenmanagement nicht nur eine Frage der Budgetaufteilung, sondern auch ein Gestaltungsproblem der sozialen Prozesse.

Die Ideengenerierung und -entwicklung basiert auf der Rekombination durch den Ideengeber von bestehenden Wissenselementen. Ein interaktiver Austausch zwischen Ideengeber und seinen Kollegen, versorgt den Ideengeber mit notwendigen Informationen, welche zentral für seine kreative Progression sind. Die Beziehungen zwischen Kollegen unterscheiden sich in vertraute und distanzierte Bindungen. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass diese Bindungen einen Einfluss auf die Kreativität der Mitarbeitenden haben. Allerdings sind sich Forscher bisher über die Wirkung nicht besonders einig. Einige zeigen, dass starke Bindungen (man könnte Freunde sagen) die Kreativität erhöhen. Andere zeigen, dass genau diese starken Bindungen keinen oder sogar einen negativen Effekt auf die Kreativität haben. Der Großteil der Forscher zeigt allerdings, dass es schwache Bindungen sind, die die Kreativität erhöhen. Die Forschung scheint sich nicht besonders einig zu sein. Warum ist das so?

Kennen sich die interagierenden Kollegen untereinander bereits sehr lange und stehen in einem ständigen Austausch miteinander, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die ausgetauschten Informationen substantiell neues Wissen darstellen, relativ gering. Folglich sinkt die Kreativität des Ideengebers (in Qualität und/oder in Quantität der Beiträge).

Ferner ist die soziale Umgebung des Ideengebers nicht nur für die Wissensflüsse relevant, sondern auch für sozialpsychologische Effekte, die zwischen den Mitarbeitenden ablaufen. Arbeitet der Ideengeber in einem Team, das sich durch einen hohen Zusammenhalt auszeichnet, ist der Ideengeber sozialen Einflüssen wie z.B. Konformitätsdruck ausgeliefert. Dieser soziale Druck beschreibt das Ausmaß, inwieweit Teammitglieder gewillt sind den Ideengeber zu sanktionieren (z.B. durch Kritik), wenn dieser sich nicht Gruppen-konform verhält. Kreativität und Ideen beinhalten jedoch per Definition neue, abweichende Elemente. Resultat des Konformitätsdrucks ist z.B. das Phänomen des Gruppendenkens, was sich wiederum in wenig qualitativen Ideen widerspiegelt.

Bei der Implementierung von Ideen sind dagegen enge Bindungen und ein starker interpersoneller Zusammenhalt absolut hilfreich. Durch eine hohe Kohäsion zwischen Ideengeber und seinen Kollegen, lassen sich Mehrheiten im Unternehmen wesentlich einfacher bilden. Mit diesen Koalitionen können Themen vorangetrieben und Entscheider überzeugt werden, die über weitere Ressourcenfreigaben entscheiden müssen.

Fazit

Zur optimalen Förderung der Mitarbeiterkreativität muss das Ideenmanagement erstens erkennen, in welcher Phase sich die Idee des Mitarbeitenden befindet. Zweitens muss entsprechend dieser Phase das soziale Netzwerk des Ideengebers gestaltet werden. In der Ideengenerierung und -entwicklung profitiert Ihr Mitarbeitender durch einen Austausch mit Kollegen, zu denen er weniger häufig Kontakt hat und die ihn mit nicht-redundanten Informationen ausstatten. Wenn die Idee bereits ausgefeilt ist und umgesetzt werden soll, benötigt er enge Kontakte und ein kohäsives Team, um Widerstände bei der Implementierung überwinden zu können.

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